Die comdirect arbeitet an einem Kryptoangebot. Thomas Schaufler, Privatkundenvorstand der Commerzbank, erklärt dem Handelsblatt, wann und für welche Zielgruppen das neue Angebot starten soll.

comdirect ist die Direktbank-Marke der Commerzbank. Und bei letzterer tut sich derzeit einiges: Zum einen fuhr die Bank im ersten Halbjahr 2025 Rekordergebnisse ein, zum anderen zeichnet sich seit ziemlich genau einem Jahr ein (von der Commerzbank nicht gewollter) Übernahmeversuch durch die UniCredit ab.
Nun gibt es auch Neuigkeiten auf der Produkt-Front: Privatkundenvorstand Thomas Schaufler hat in einem Interview mit dem Handelsblatt angekündigt, dass comdirect demnächst den Handel mit Kryptowährungen (wie z.B. Bitcoin) anbieten wird.
Die wichtigsten Details: Was plant comdirect genau im Krypto-Bereich?
Schaufler nennt im Interview folgende Details zum geplanten Kryptoangebot der comdirect:
- Die Bank arbeitet derzeit an einem Kryptoangebot für Privatkunden – das heißt an der Integration einer Handelsplattform für Kryptowerte wie Bitcoin, Etherium, Ripple oder Solana.
- Schaufler bestätigt ausdrücklich, dass der Schritt eine Antwort auf das Angebot und den Erfolg von Trade Republic ist, einer Neobank (bzw. Neobroker), die Kryptohandel schon länger in ihr Angebot integriert hat. Sicher wird er dabei auch die ähnlich aufgestellten Konkurrenten N26 und Revolut im Blick haben.
- Zudem soll es für kryptointeressierte Anleger neben dem bisherigen comdirect Girokonto Aktiv mit Visa Debitkarte ein weiteres Kontoprodukt geben, das speziell für junge, kryptointeressierte Kunden gedacht ist, und in das das neue Kryptoangebot natürich integriert sein wird. Da Schaufler mit Trade Republic konkurrieren will, gehen wir davon aus, dass das zu diesem Produkt gehörende Girokonto bedingungslos kostenlos werden düfte – d.h. ohne Mindest-Geldeingang oder bestimmte Mindest-Transaktionen pro Monat.
- Ob das neue Angebot von der comdirect selbst entwickelt wird, wird nicht ganz klar. Schaufler sagt, man "arbeite an dem Angebot". Das kann bedeuten, dass es intern entwickelt und umgesetzt wird – andererseits (wenn auch ohne direkten Bezug auf das Thema Kryptohandel) erwähnt Schaufler an anderer Stelle die Möglichkeit von Unternehmens-Übernahmen. Und dieses Szenario wirkt auf uns wahrscheinlicher: Durch den Kauf eines Marktteilnehmers, der bereits die komplette technische Integration einer Krypto-Handelsplattform umgesetzt hat, könnte die comdirect Zeit sparen und müsste "das Rad nicht neu erfinden".
- So oder so: Schaufler erwartet, dass die comdirect "spätestens 2026" mit dem neuen Kryptoangebot starten wird. Wann genau in 2026 – das lässt er allerdings offen.
Dass die "traditionellen Banken" früher oder später auf Kryptoangebote von Neobanken und Neobrokern reagieren würden, war abzusehen. Nun ist es die comdirect, die den ersten Schritt macht. Kommt das Produkt bei den Kunden gut an, ist zu erwarten, dass es auch bei der Commerzbank integriert wird – und nicht "nur" bei der Direktbank-Marke comdirect.
Als nächstes wird es spannend zu sehen sein, ob auch andere große Bankhäuser (zum Beispiel die Deutsche Bank) im Kryptobereich nachziehen.