Chargekarte

Kurzdefinition: Kreditkarte, deren Umsätze am Ende des Abrechnungszeitraums komplett fällig werdenAndere Bezeichnungen:Charge CardCharge-Kreditkartereine Chargekarte

Die Chargekarte (auch "Charge Card" genannt) ist eine spezieller Kreditkarten-Typ. Chargekarten zeichnen sich dadurch aus, dass am Ende eines jeden Abrechnungszeitraums die gesammelten Umsätze komplett und in Summe fällig werden.

Chargekarten erfordern somit grundsätzlich eine vollständige Rückzahlung; es ist bei Chargekarten nicht vorgesehen, die Kartenabrechnung nur teilweise zu bezahlen (und den Rest auf Folgemonate zu übertragen). Aus diesem Grund gibt es bei Chargekarten auch grundsätzlich keine Kreditkartenzinsen.

Der Unterschied zwischen Chargekarten und Credit-Kreditkarten

Es ist die "kompromisslose" Rückzahlungsmethode (komplette Fälligkeit der Abrechnung), die Chargekarten von klassischen Credit-Kreditkarten (auch "Revolving Credit Cards" genannt) unterscheidet – nur bei letzteren können Abrechnungen auch über einen längeren Zeitraum abbezahlt werden.

Das erklärt auch, warum es Chargekarten keine Kreditkartenzinsen kennen: Denn Zinsen werden bei (praktisch allen) Kreditkarten schließlich nur dann fällig, wenn Karteninhaberinnen bzw. Karteninhaber sich für Teilrückzahlung entscheiden: Der Anteil der Abrechnung, den sie nicht ausgleichen (und somit in den Folgemonat übertragen), wird verzinst. Da bei Chargekarten immer der komplette Rechnungsbetrag fällig ist, fallen auch keine Zinsen an.

Wenn die Charge-Eigenschaft einer Kreditkarte besonders betont werden soll – also die Notwendigkeit, Abrechnungen immer vollständig zu begleichen – dann ist manchmal klarstellend von einer "reinen Chargekarte" die Rede.

Rechnungsausgleich bei Chargekarten

Bei Chargekarten wird der Betrag der Kreditkartenabrechnung üblicherweise direkt vom verknüpften Abrechnungskonto per Lastschrift eingezogen. Reine Chargekarten, bei denen manueller Rechnungsausgleich erforderlich ist, d.h. bei denen der Rechnungsbetrag jedes Mal von Hand überwiesen muss, sind uns nicht bekannt.

Chargekarten: Die ursprünglichen Kreditkarten

Einen Blick in die Historie von Kreditkarten zeigt, dass Chargekarten keine exotische Sonderform von Kreditkarten sind, sondern die eigentliche Ursprungsform.

Kreditkarten wurden in den 1950er Jahren in den USA erfunden. Vorreiter war die legendäre Marke Diners Club. Bald zogen andere Unternehmen nach.

Alle diese ersten Kreditkarten waren reine Chargekarten – d.h. die regelmäßige (monatliche) Abrechnung war immer komplett fällig.

Hintergrund war, dass die Kreditkarten damals als bequeme Zahlungsmethode für Geschäftsleute entwickelt wurden – ursprünglich ausschließlich in New Yorker Restaurants (daher auch der Name "Diners Club"), später aber auch in anderen Städten und Regionen, sowie in anderen Geschäftsbereichen.

Bald nutzen auch mehr und mehr Privatleute die Bequemlichkeit von Kreditkartenzahlungen. Es war jedoch zunächst eine eher wohlhabende Klientel, die Kreditkarten für sich entdeckte.

Aufgrund der besonderen Kundenstruktur konnten Kreditkartenanbieter darauf vertrauen, dass ausgestellte Kreditkartenabrechnungen in der Regel verlässlich beglichen wurden. Auch bestand aufgrund der finanziellen Situation der Gruppe der ersten Kreditkartennutzer gar kein Bedarf, Kreditkartenabrechnungen in mehreren Raten abzuzahlen – wer damals eine Kreditkarte besaß, war solvent genug, fällige Kreditkartenabrechnungen umgehend und vollständig zu begleichen.

Erst später, als Kreditkarten in eine zunehmend breitere Klientel vorstießen, begannen die ersten Kreditkartenanbieter, verzinste Teilrückzahlung überhaupt anzubieten: Die Revolving Credit-Kreditkarte war geboren.

Welche Rolle spielen Chargekarten heute?

Neben Credit-Kreditkarten, Debit-Kreditkarten und Prepaid-Kreditkarten stellen Charge-Kreditkarten heute einen der vier wichtigen Kreditkarten-Typen dar, die es gibt.

Chargekarten gelten auch heute für viele als die "höchste Form" der Kreditkarte. Auch strahlen sie weiterhin einen gewissen Status aus. Sinngemäß ist der Eindruck: Wer eine Chargekarte hat, muss keine Ausgaben über einen längeren Zeitpunkt in Raten "abstottern" – sondern ist in der Lage, alle monatlichen Kartenabrechnungen immer in voller Höhe zu begleichen.

Die gewisse spezielle "Aura", die Chargekarten umgibt, zeigt sich auch hieran: American Express, unbestritten die Premium-Marke unter den Kreditkarten, gibt traditionell ausschließlich Chargekarten heraus. Kreditkarten mit Teilrückzahlungsfunktion gehörten noch nie zum Geschäftsmodell des Unternehmens – und Kunden, die Teilrückzahlung wünschen, sind nicht die Amex-Zielgruppe.

Chargekarten in Deutschland

Geschichte wiederholt sich: Genau wie in den USA waren auch in Deutschland die meisten ersten Kreditkarten reine Chargekarten. Karten mit Credit-Funktionalität (d.h. Teilrückzahlung) sind hierzulande erst in den letzten Jahrzehnten "in der breiten Masse" angekommen.

Bis heute bieten die meisten klassischen Banken in Deutschland ausschließlich Chargekarten an.

Meistens sind es eher Bankhäuser, die ohnehin traditionell verstärkt im Kreditgeschäft operieren (speziell im Konsumkreditgeschäft), die auch Credit-Kreditkarten herausgeben. Ein Beispiel ist die im Kreditgeschäft stark aufgestellte Bank Santander mit ihrem BestCard-Kreditkarten-Portfolio, in dem ausschließlich Credit-Kreditkarten zu finden sind.

Häufige Fragen zu Chargekarten

Sind Chargekarten besser als Credit-Kreditkarten?

Ob ein bestimmter Kreditkartentyp für eine Verbraucherin oder einen Verbraucher "besser" ist als ein anderer, hängt davon ab, zu welchem Zweck sie oder er eine Kreditkarte einsetzen möchte. Von pauschal "besser" oder "schlechter" zu sprechen, ist also wenig zielführend.

In der Tendenz sind Chargekarten aber sicher bequemer: Lastschrift kann als Standard vorausgesetzt werden, und man braucht sich keine Gedanken zu machen, ob Teilrückzahlung voreingestellt ist oder nicht. Chargekarten funktionieren einfach, ohne dass man sich große Gedanken über die Details zu machen braucht.

Sind Chargekarten teurer?

Nein, das kann man nicht sagen. Preise und Gebühren für Kreditkarten und Chargekarten haben wenig damit zu tun, von welchem Typ eine Kreditkarte ist. Gebühren werden ohnehin vom Kreditkartenherausgeber festgelegt. Ob eine Karte günstig oder teuer ist, hängt normalerweise hauptsächlich von ihren Zusatzleistungen ab, sowie teilweise auch von dem "Prestige", das sie (gefühlt) ausstrahlt. Ein weiterer Preisfaktor kann auch einfach sein, wie viel Zahlungsbereitschaft eine Bank bei ihrer Kundschaft vermutet.

Werden Chargekarten immer monatlich abgerechnet?

In aller Regel haben Chargekarten einen monatlichen Abrechnungszyklus. Es gibt allerdings seltene Ausnahmen. Ein Beispiel ist die Consors Finanz Mastercard: In der App bzw. im Online-Banking kann diese Karte in einen Charekarten-Modus gestellt werden. In der App heißt dieser Modus je nach App-Version "Später zahlen" oder "Einmalzahlung". Der Abrechnungszeitraum ist in diesem Modus nicht 1 Monat, sondern 1 Quartal (also 3 Monate). Das heißt: Kreditkartenumsätze werden vierteljährlich gesammelt und dann am Ende des Quartals in einer Summe abgebucht – zinsfrei, wie bei Chargekarten üblich.