Ein Merchant Category Code (abgekürzt "MCC", zu deutsch: Händlerkategoriencode) ist ein vierstelliger Zahlencode, der Händler nach der Art ihrer angebotenen Waren oder Dienstleistungen klassifiziert. Es gibt aktuell einige hundert aktiv genutzte MCCs – die Liste wird von den großen Kreditkartenorganisationen wie Visa und Mastercard festgelegt und weltweit verwendet.
Jeder Händler erhält genau einen MCC zugewiesen, der seine Haupttätigkeit beschreibt – die Zuweisung wird üblicherweise vom sogenannten "Acquirer" des Händlers vorgenommen, also von der Bank oder dem Zahlungsdienstleister, über den der Händler Kreditkartenzahlungen abwickeln lässt.
Zweck
Der MCC erfüllt mehrere Funktionen innerhalb des Kreditkartensystems:
- Transaktionsklassifizierung: MCCs ordnen jede Kartenzahlung einer bestimmten Branche oder Händlergruppe zu. Dadurch ist sofort ersichtlich, ob es sich etwa um eine Tankstellenzahlung, ein Restaurantessen oder einen Flugticketkauf handelt.
- Gebühren- und Abwicklungssteuerung: Kreditkartennetzwerke und Banken nutzen MCCs, um zu bestimmen, welche Interchange Fees gelten – also die zwischen Banken gezahlten Transaktionsgebühren. Bestimmte Branchen haben günstigere Konditionen, andere werden z.B. aufgrund höherer Risiken mit höheren Gebühren belegt.
- Spesen- und Auswertungszwecke: Unternehmen, die ihren Mitarbeitern Firmenkreditkarten zur Verfügung stellen, setzen MCCs ein, um Ausgaben nach Kategorien zu analysieren. So können Reisekosten, Bewirtungen oder Büromaterialien in den Umsätzen automatisch voneinander abgegrenzt werden.
- Spezielle Behandlung bestimmter Branchen: Kreditkartenherausgeber können durch MCCs Umsätze in sensiblen Branchen erkennen und diese Zahlungen anders behandeln als normale Kartenzahlungen. So berechnen beispielsweise einige Kreditkarten eine Sondergebühr für Glücksspielumsätze.
- Kundenbindung, Bonus, Cashback: Manche Kreditkarten gewähren Punkte oder Cashback, teils abhängig von der Einkaufskategorie. Ein Typisches Beispiel sind Kreditkarten mit Tankrabatt. Die Zuordnung basiert direkt auf dem MCC des Händlers.
Beispiele
Einige häufig verwendete MCCs sind:
- 5411 – Lebensmittelgeschäfte und Supermärkte
- 5541 – Tankstellen
- 5812 – Restaurants
- 5814 – Fast-Food-Restaurants
- 7995 – Glücksspiel und Online-Wetten
- 3000–3350 – Fluggesellschaften (teils mit eigenen Codes für verschiedene Airlines)
- 3501–3790 – Hotels
Wer es genau wissen will, findet komplette Listen aller MCCs – dokumentiert von den zwei großen Kreditkartenanbietern Visa und Mastercard – hier:
Warum MCCs Probleme bereiten können
Die Zuordnung von MCCs ist für Endkunden meistens nicht transparent – und genau hier können Schwierigkeiten entstehen. Besonders relevant ist das im Zusammenhang mit Kreditkarten-Rabatt- oder Bonusprogrammen – speziell bei Cashback-Programmen, die auf MCCs zurückgreifen. Manche Karten bieten Cashback für bestimmte Kategorien, z.B. auf Restaurantbesuche oder bei Tankstellen: Wird ein Händler von seinem Acquirer bzw. Zahlungsabwickler unter einem falschen MCC geführt, greift das Bonusprogramm nicht. So kann ein Café-Besuch auf der Abrechnung etwa unter "Miscellaneous Stores" erscheinen, wodurch kein Restaurant-Bonus ausgelöst wird.
Dieser Problembereich zeigt sich häufiger bei sogenannten Payment Facilitators wie SumUp oder Stripe. Payment Facilitators sind eigentlich dafür verantwortlich, MCCs korrekt an die Kartenorganisationen zu übermitteln. In der Praxis verwenden solche Anbieter aber häufig allgemeine "Fallback"-Codes (z. B. MCC 5999 – "Miscellaneous and Specialty Retail Store"), anstatt branchenspezifische Codes wie "Restaurant" durchzureichen. Für Kunden bedeutet das: Transaktionen erscheinen dann in der Kartenabrechnung unter einem generischen Sammelcode, was Cashback-Programme unzuverlässig macht.
Gerade Anbieter wie SumUp sind bekannt dafür, nicht immer die passende Händlerkategorie weiterzugeben. Das kann bei Nutzern zu Frustration führen, weil Zahlungen, die eigentlich klar einer bestimmten Kategorie zugeordnet werden müssten, keinen Bonus auslösen.
Tipp für Händler und Selbstständige: Prüfe deinen MCC!
Händler (also z.B. Geschäftsinhaber und Gastronomen) sind gut beraten, über ihren eigenen MCC im Bilde zu sein. Dies kann bereits während der Anmeldung beim Zahlungsdienstleister bzw. Payment Facilitator geschehen, oder auch nachträglich, z.B. einfach mit einer Testzahlung und der Prüfung derselben mit einer Kreditkarte, die den MCC (oder zumindest die Benennung der MCC-Klassifizierung) in der Abrechnung angibt.
Stellt sich bei einem solchen Test heraus, dass ein falscher (oder zu allgemeiner) MCC zugeordnet wurde, lohnt es sich, Kontakt mit dem Payment Facilitator (z.B. SumUp) aufzunehmen, um den Code korrigieren zu lassen. Es geht dabei nicht um "Prinzipienreiterei" – ein solcher Test ist schlicht vorausschauender und strategisch kluger Kundenservice. Er erspart vermeidbare Unzufriedenheit bei Kunden, die feststellen, dass ihre Zahlung falsch klassifiziert wurde und dadurch in der Folge Nachteile hatten.
Wie so oft: Ja, strenggenommen liegt dieses Thema in der Verantwortung des Payment Facilitators – aber unter dem Motto "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser" (und auch: "Wenn man nicht alles selber macht!") ist es für kundenorientierte Händler und Unternehmer empfehlenswert, sich mit diesem Thema zu befassen.